Chirurgie, Unfallchirurgie und Orthopädie bilden mit etwa 15 % die größte unserer zwölf Domänen, rund 48 von 320 Aufgaben. In der Mannheimer Auswertung kommen Chirurgie (35,5) und Orthopädie (13,0) zusammen auf etwa 16 % der rund 311 Fragen. Die Aufgaben sind fallbasiert und handlungsorientiert: Was tun Sie zuerst, was ist der nächste Schritt, wann operieren Sie, welche Komplikation droht? Wer die Algorithmen für akutes Abdomen, Polytrauma und perioperatives Management sicher hat, gewinnt hier am meisten Punkte. Die Werte sind redaktionelle Näherungen.
Eine Domäne, drei Fächer
Die Viszeralchirurgie fragt vor allem nach Diagnostik und Operationsindikation. Die Unfallchirurgie und Orthopädie fragen nach Frakturklassifikation, Versorgungszeitpunkt und Komplikationen. Die Gefäßchirurgie überschneidet sich mit der Kardiologie und Angiologie. Dazu kommen allgemeine Themen, die in jedem Fach vorkommen können: Wundheilung, Infektion, Aufklärung, Dokumentation und das perioperative Risiko.
Viele Aufgaben bauen auf einem Dreischritt auf: Leitsymptom, bildgebender Befund, Konsequenz. Üben Sie, die Konsequenz zu benennen, statt nur die Diagnose zu erkennen.
Themen und Prüfungslogik
| Thema | Was gefragt wird |
|---|---|
| Akutes Abdomen und Appendizitis | Klinische Zeichen, Sonografie gegen CT, Operationsindikation, Differenzialdiagnosen bei Frauen |
| Ileus und Hernien | Mechanisch gegen paralytisch, Inkarzeration, Notfalloperation |
| Divertikulitis | Stadieneinteilung, konservative Therapie, Operationsindikation |
| Gallenwegs- und Pankreaschirurgie | Cholezystektomie-Zeitpunkt, Choledocholithiasis, Pankreasnekrose |
| Kolorektale und Magenchirurgie | Tumorstadien, Operationsprinzipien, Anastomoseninsuffizienz |
| Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsenchirurgie | Indikation, Rekurrensparese, Hypokalzämie nach Operation |
| Gefäßchirurgie | pAVK, Aneurysma, Varikose; Indikation und Verfahren |
| Polytrauma und Schockraummanagement | Reihenfolge nach ATLS, Blutungskontrolle, Bildgebung, Damage-Control |
| Schädel-Hirn-Trauma | Glasgow Coma Scale, CT-Indikation, epidurales gegen subdurales Hämatom |
| Thoraxtrauma und Pneumothorax | Spannungspneumothorax, Hämatothorax, Drainage |
| Wirbelsäulen- und Beckenfrakturen | Stabilität, neurologische Ausfälle, Beckenzwinge, Blutungsrisiko |
| Frakturen der oberen Extremität | Distale Radiusfraktur, Humerusfraktur, Nervenläsionen, Versorgung |
| Frakturen der unteren Extremität | Schenkelhalsfraktur, Sprunggelenk, Operationszeitpunkt, Thromboseprophylaxe |
| Kompartmentsyndrom und offene Frakturen | Schmerz außer Verhältnis, Fasziotomie, Antibiotikaprophylaxe, Tetanusschutz |
| Gelenkerkrankungen und Endoprothetik | Koxarthrose, Gonarthrose, Indikation, Komplikationen |
| Sportverletzungen | Kreuzband, Meniskus, Schulter; Untersuchungsbefunde |
| Knochentumoren und Osteomyelitis | Röntgenzeichen, Biopsie, Antibiose |
| Wundheilung und Wundinfektion | Wundarten, Débridement, Infektzeichen, Tetanusprophylaxe |
| Perioperatives Management und Komplikationen | Risikoabschätzung, Antikoagulation, Nachblutung, Thrombose, Delir |
| Verbrennungen und Verbrühungen | Flächenabschätzung, Volumentherapie, Verlegung in ein Zentrum |
Leitlinien und deutscher Rahmen
Für die Versorgung Schwerverletzter gibt es eine S3-Leitlinie, die Schockraumabläufe nach dem ATLS-Schema abbildet. Für Kolonkarzinom, Divertikulitis und weitere Themen gibt es AWMF-Leitlinien, deren aktuelle Fassung Sie prüfen. Zur Tetanusprophylaxe: Laut STIKO-Empfehlungen 2026 wird Td alle zehn Jahre aufgefrischt, die nächste fällige Auffrischung einmalig als Tdap. Prüfen Sie die Wundkategorien in der RKI-Tabelle.
Zwei Rechtsthemen sind chirurgietypisch. Erstens die Aufklärung vor Eingriffen: Sie erfolgt mündlich durch den Behandelnden oder eine entsprechend ausgebildete Person, rechtzeitig und verständlich, und die Alternativen sind zu nennen, wenn mehrere gleichermaßen indizierte Methoden wesentlich unterschiedliche Belastungen, Risiken oder Heilungschancen haben (§ 630e BGB). Unterschriebene Unterlagen erhält der Patient in Kopie. Bei unaufschiebbaren Maßnahmen ist die Aufklärung entbehrlich. Zweitens die Dokumentation: Die Patientenakte wird zehn Jahre aufbewahrt, Berichtigungen müssen erkennbar bleiben (§ 630f BGB). Eine nicht dokumentierte wesentliche Maßnahme gilt als nicht durchgeführt (§ 630h BGB). Bei Arbeitsunfällen läuft die Versorgung über das Durchgangsarzt-Verfahren der gesetzlichen Unfallversicherung.
Drei typische Fallen
- Bildgebung vor Operation oder umgekehrt. Beim stabilen Patienten mit akutem Abdomen ist die Sonografie oft der erste Schritt, beim instabilen Polytrauma kommen Blutungskontrolle und Reanimation vor jedem CT. Lesen Sie Vitalzeichen und Stabilität.
- Zeitkritisch gegen elektiv. Kompartmentsyndrom, Spannungspneumothorax, inkarzerierte Hernie, Hodentorsion (siehe Urologie) dulden keinen Aufschub. Bei Schenkelhalsfraktur zählt die zeitnahe Versorgung. Aufgaben bieten dazu Optionen wie „Kontrolle nach 24 Stunden“ an.
- Perioperative Medikation. Antikoagulanzien, Antidiabetika und Dauermedikation vor einem Eingriff: absetzen, weitergeben oder umstellen? Lesen Sie, welches Medikament und welche Dringlichkeit in der Vignette stehen.
So wiederholen Sie die Domäne
- Sechs Lerntage: Tag 1 akutes Abdomen und Ileus, Tag 2 Hepatobiliär, Pankreas, Kolon, Magen, Schilddrüse, Tag 3 Gefäße und Wunden, Tag 4 Polytrauma, SHT, Thorax, Tag 5 Frakturen und Kompartment, Tag 6 Orthopädie, Tumoren, Perioperatives.
- ATLS-Schema auswendig. Die Reihenfolge A-B-C-D-E sollten Sie in jeder Polytrauma-Aufgabe anwenden können.
- Frakturen als Tabelle. Lokalisation, typisches Unfallbild, Komplikation, Versorgung.
- Bilder trainieren. Röntgen-Thorax, Abdomenübersicht, Becken und Extremität. Üben Sie 20 Bilder pro Woche.
Drei Denkwege aus Aufgabenmustern
Die folgenden Muster sind eigene Beispiele zur Veranschaulichung, keine Prüfungsfragen und keine Antwortoptionen. Sie zeigen, in welcher Reihenfolge Sie eine Vignette lesen und entscheiden.
Verkehrsunfall mit mehreren Verletzungen
Die Reihenfolge nach ATLS ist bindend: Atemweg mit Halswirbelsäulenschutz, Atmung, Kreislauf mit Blutungskontrolle, neurologischer Status, Entkleiden und Wärmeerhalt. Bei Instabilität kommen Blutungskontrolle und Notfalloperation vor jedem CT. Eine Option, die zuerst ein Ganzkörper-CT bei instabilem Patienten verlangt, ist falsch.
Unterbauchschmerz bei einer jungen Frau
Appendizitis bleibt die wahrscheinlichste Diagnose, aber die Aufgabe will, dass Sie gynäkologische Ursachen nicht übersehen: Schwangerschaftstest, Sonografie, Entzündungszeichen. Erst nach dieser Basisdiagnostik folgt die Entscheidung zur Operation.
Sturz einer älteren Frau mit verkürztem, außenrotiertem Bein
Das Bild spricht für eine Schenkelhalsfraktur. Die Konsequenz heißt zeitnahe operative Versorgung nach Abklärung der Narkosefähigkeit, mit Thromboseprophylaxe und Schmerztherapie. Prüfen Sie, welche Dauermedikation vor der Operation relevant ist, vor allem Antikoagulanzien, und ob die Aufklärung in der Vignette erwähnt wird.
Selbsttest in Stichworten
Beantworten Sie diese Fragen mündlich, ohne Unterlagen. Wo Sie stocken, liegt Ihr nächster Lernblock. Es sind Prüfimpulse, keine Multiple-Choice-Aufgaben.
- Welche Reihenfolge gilt in der Erstversorgung eines Polytraumas?
- Welche Basisdiagnostik gehört vor die Entscheidung zur Operation bei akutem Abdomen?
- Welche Frakturen sind Notfälle, und welche Komplikationen müssen Sie ausschließen?
- Was gehört zur perioperativen Vorbereitung, und welche Dauermedikation ist relevant?
- Woran erkennen Sie ein Kompartmentsyndrom, und wie ist die Konsequenz?
- Welche Aufklärungspunkte gehören zu einer elektiven Operation?
Checkliste vor dem Examen
- Sie benennen bei jedem Notfall den zeitkritischen ersten Schritt.
- Sie kennen die Reihenfolge im Schockraum und stoppen blutende Patienten vor der Diagnostik.
- Sie wissen, was vor einem Eingriff aufgeklärt, dokumentiert und aufbewahrt werden muss.
- Sie entscheiden bei der perioperativen Medikation begründet.
Verwandt: Anästhesie und Notfall und Urologie. Die Rechtsgrundlagen im Zusammenhang stehen in Recht und Ethik.
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Frequently asked questions
Wie groß ist die Chirurgie im M2?
Nach unserer Näherung etwa 15 %, rund 48 von 320 Aufgaben. In einer Mannheimer Auswertung kommen Chirurgie (35,5) und Orthopädie (13,0) zusammen auf etwa 16 % von rund 311 Fragen.
Wie lange wird die Patientenakte aufbewahrt?
Zehn Jahre nach Abschluss der Behandlung, sofern keine andere Frist gilt (§ 630f Abs. 3 BGB). Berichtigungen müssen mit Originalinhalt und Zeitpunkt erkennbar bleiben.
Wann ist die Aufklärung vor einem Eingriff entbehrlich?
Bei unaufschiebbaren Maßnahmen oder wenn der Patient ausdrücklich verzichtet (§ 630e Abs. 3 BGB).
Wie oft ist Tetanus aufzufrischen?
Td alle zehn Jahre, die nächste fällige Auffrischung einmalig als Tdap, so die STIKO-Empfehlungen 2026. Prüfen Sie Wundkategorien in der RKI-Tabelle.