Neurologie ist in einer Mannheimer Fächerauswertung mit durchschnittlich 41,5 von rund 311 Fragen das zweitgrößte Einzelfach des M2, etwa 13 %. In unserer Gewichtung haben wir sie vorsichtig mit 10 % angesetzt, das sind rund 32 von 320 Aufgaben. Wer Neurologie auslässt, verschenkt viele Punkte, denn die Aufgaben sind gut lernbar: Lokalisationsdiagnostik, Schlaganfall, Anfälle, Kopfschmerz und neuromuskuläre Erkrankungen folgen festen Mustern. Dazu kommen rechtliche Themen wie Hirntod und Einwilligungsfähigkeit.
Warum Neurologie mehr zählt, als der Plan zeigt
Unsere zwölf Domänen runden die Gewichte auf Fünferschritte. Die Mannheimer Daten legen nahe, dass die Neurologie eher darüber liegt. Wenn Ihre Phase-1-Auswertung zeigt, dass Sie hier schwach sind, geben Sie dem Fach einen oder zwei zusätzliche Tage. Die Domäne hat zudem eine Eigenheit: Die Anamnese ist der Schlüssel. Zeitverlauf, Begleitsymptome und Seitenlokalisation entscheiden, ob es sich um eine Ischämie, eine Blutung, einen Anfall oder eine Migräne handelt.
Themen und Prüfungslogik
| Thema | Was gefragt wird |
|---|---|
| Ischämischer Schlaganfall und Lysetherapie | Symptomerkennung, Bildgebung zum Ausschluss einer Blutung, Indikation und Kontraindikation der Lyse, Sekundärprophylaxe |
| Intrazerebrale Blutung und Subarachnoidalblutung | Vernichtungskopfschmerz, Bildgebung, Lumbalpunktion bei unauffälligem CT, Aneurysmaversorgung |
| TIA und Carotisstenose | Abklärung, ABCD-Logik, Indikation zur Intervention, Thrombozytenaggregation |
| Epilepsie und Status epilepticus | Erstanfall gegen Epilepsie, Stufentherapie im Status, Wahl der Dauertherapie, Schwangerschaft |
| Kopfschmerzerkrankungen | Migräne, Cluster, Spannungstyp, Warnzeichen für sekundäre Kopfschmerzen |
| Multiple Sklerose | Schubsymptome, MRT-Muster, Schubtherapie, verlaufsmodifizierende Therapie |
| Morbus Parkinson und atypische Syndrome | Kardinalsymptome, Therapie, Nebenwirkungen, Abgrenzung zu atypischen Formen |
| Demenzen | Alzheimer gegen vaskuläre und Lewy-Körper-Demenz, Diagnostik, Therapie, Betreuung |
| Polyneuropathien und Guillain-Barré-Syndrom | Ursachen, Liquorbefund, Atemüberwachung, Therapie |
| Myasthenia gravis und Muskelerkrankungen | Belastungsabhängigkeit, Antikörper, myasthene Krise, Thymusbefund |
| Meningitis und Enzephalitis (neurologisch) | Klinische Zeichen, Liquorbild, Therapie ohne Verzug, Prophylaxe |
| Hirntumoren und Hirndruck | Leitsymptome, Bildgebung, Dexamethason, Einklemmungszeichen |
| Schwindel und Vestibularisstörungen | peripher gegen zentral, Lagerungsprobe, Untersuchungsbefunde |
| Rückenmarkserkrankungen und Querschnittssyndrom | Höhenlokalisation, Notfallbildgebung, Syndrome |
| Bandscheibenvorfall und radikuläre Syndrome | Kennmuskeln, Operationsindikation, konservative Therapie |
| Bewusstseinsstörungen und Koma | Glasgow Coma Scale, Differenzialdiagnose, Erstmaßnahmen |
| Hirntoddiagnostik | Voraussetzungen, Ablauf, rechtlicher Rahmen |
| Neuromuskuläre Erkrankungen (ALS) | Leitsymptome, Diagnose, Therapie, Palliation |
Leitlinien und deutscher Rahmen
Die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie stehen im AWMF-Register. Für die Akuttherapie und die Sekundärprophylaxe prüfen Sie die aktuelle Fassung, bevor Sie Zeitfenster oder Grenzwerte lernen. Wir nennen hier keine Zahlen, die wir nicht an der Leitlinie verifiziert haben.
Zwei rechtliche Themen gehören fest in die Neurologie. Erstens der Hirntod: Das Transplantationsgesetz erlaubt eine Organentnahme nur nach Feststellung des Todes und nur, wenn der irreversible Ausfall der Gesamtfunktion von Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm festgestellt ist (§ 3 TPG). Die Einzelheiten der Diagnostik regelt eine Richtlinie der Bundesärztekammer, deren Beobachtungszeiten wir nicht geprüft haben. Zweitens Demenz und Einwilligung: Bei fehlender Einwilligungsfähigkeit greifen Betreuungsrecht, Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung (§§ 1827, 1831 BGB). Das Notvertretungsrecht unter Ehegatten gilt längstens sechs Monate (§ 1358 BGB). Mehr dazu in der Domäne Recht und Ethik.
Drei typische Fallen
- Blutung zuerst ausschließen. Bei akutem Schlaganfall steht die Bildgebung vor jeder Lyse. Aufgaben bieten gern Optionen an, die eine Therapie nennen, bevor die Blutung ausgeschlossen ist. Lesen Sie die Reihenfolge.
- Donnerschlagkopfschmerz ist kein Migräneanfall. Plötzlich beginnender, schwerster Kopfschmerz verlangt den Ausschluss einer Subarachnoidalblutung, auch bei jungen Patienten mit Migräneanamnese.
- Zentral oder peripher. Beim Schwindel entscheiden Begleitsymptome und Untersuchungsbefunde. Ein Schwindel mit Doppelbildern, Sprachstörung oder Gangataxie ist zentral bis zum Beweis des Gegenteils.
So wiederholen Sie die Domäne
- Vier Lerntage: Tag 1 Schlaganfall, Blutungen, TIA; Tag 2 Epilepsie, Kopfschmerz, Schwindel; Tag 3 Multiple Sklerose, Parkinson, Demenz, Neuromuskuläres; Tag 4 Infektionen, Hirndruck, Rückenmark, Bewusstsein.
- Lokalisation üben. Zeichnen Sie für jedes Syndrom die Läsion: Hirnstamm, Kleinhirn, Kortex, Rückenmark, Nerv, Muskel. Die Frage nach dem Ort ist in Neurologie-Aufgaben häufig die eigentliche Frage.
- Befundtabellen. Liquorbefunde, Reflexbefunde und Kennmuskeln als Tabellen.
- Fragen im Zeitmodus. Neurologische Vignetten sind lang. Trainieren Sie die Lesereihenfolge aus der Kreuzen-Strategie.
Drei Denkwege aus Aufgabenmustern
Die folgenden Muster sind eigene Beispiele zur Veranschaulichung, keine Prüfungsfragen und keine Antwortoptionen. Sie zeigen, in welcher Reihenfolge Sie eine Vignette lesen und entscheiden.
Akute Halbseitensymptomatik
Zuerst zählt der Zeitpunkt des Beginns, dann die Bildgebung, die eine Blutung ausschließt. Erst danach stellt sich die Frage nach Lyse oder anderer Akuttherapie, und hier sind die Kontraindikationen im Text zu suchen. Optionen, die eine Therapie vor der Bildgebung nennen, sind falsch. Fragt die Aufgabe nach der Sekundärprophylaxe, ordnen Sie die Ursache: Herz, große Gefäße oder kleine Gefäße.
Erster Krampfanfall oder Synkope
Zungenbiss, postiktale Verwirrtheit und Einnässen sprechen für einen epileptischen Anfall, Prodromi und Lagebezug für eine Synkope. Beim Status epilepticus folgt die Stufentherapie, beim Erstanfall die Abklärung mit EEG und Bildgebung. Prüfen Sie Auslöser wie Entzug, Elektrolyte und Medikamente, bevor Sie eine Epilepsie annehmen.
Fieber, Nackensteife und Bewusstseinsstörung
Der Verdacht auf bakterielle Meningitis verlangt Blutkulturen und eine Antibiotikagabe ohne Verzug. Bei Bewusstseinsstörung oder fokalen Ausfällen kommt die Bildgebung vor der Lumbalpunktion, die Antibiotikagabe darf deshalb aber nicht warten. Denken Sie an die Prophylaxe für enge Kontaktpersonen und an die Meldepflicht bei Meningokokken.
Selbsttest in Stichworten
Beantworten Sie diese Fragen mündlich, ohne Unterlagen. Wo Sie stocken, liegt Ihr nächster Lernblock. Es sind Prüfimpulse, keine Multiple-Choice-Aufgaben.
- Wie unterscheiden Sie ischämischen Schlaganfall, Blutung und TIA?
- Welche Bedingungen müssen für eine Akuttherapie des Schlaganfalls erfüllt sein?
- Wie erkennen Sie einen Status epilepticus, und wie ist die Stufentherapie?
- Welche Leitbefunde führen zur Diagnose Parkinson, Demenz oder Multiple Sklerose?
- Welche Befunde der Lumbalpunktion sprechen für bakterielle, welche für virale Meningitis?
- Welche Symptome weisen auf einen Bandscheibenvorfall mit Notfallindikation?
Checkliste vor dem Examen
- Sie erkennen Schlaganfall, Blutung, Anfall und Migräne an der Anamnese und kennen den ersten Schritt.
- Sie kennen die Voraussetzungen der Hirntoddiagnostik im Grundsatz und den Rahmen im Transplantationsgesetz.
- Sie ordnen Läsionen anatomisch zu.
- Sie wissen, wann bei Demenz Betreuung, Vollmacht oder Patientenverfügung greifen.
Verwandte Domänen: Psychiatrie und Infektiologie.
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Frequently asked questions
Wie groß ist die Neurologie im M2?
Eine Mannheimer Auswertung nennt im Mittel 41,5 von rund 311 Fragen, etwa 13 %. Unsere Gewichtung setzt vorsichtig 10 % an. Das IMPP veröffentlicht keine Fachgewichte.
Muss ich die Hirntod-Richtlinie auswendig kennen?
Kennen Sie den Rahmen: Die Organentnahme setzt den festgestellten irreversiblen Ausfall der Gesamtfunktion von Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm voraus (§ 3 TPG). Beobachtungszeiten und Details aus der BÄK-Richtlinie haben wir nicht geprüft, lernen Sie sie aus dem Originaltext.
Wie viele Lerntage soll ich einplanen?
Im 100-Tage-Plan vier Lerntage, bei Schwächen ein bis zwei mehr.
Welche Leitlinien gelten?
Die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie im AWMF-Register. Prüfen Sie Zeitfenster und Grenzwerte in der aktuellen Fassung.